Hochfest des hl. Paulus des ersten Einsiedlers

Predigt I

Liebe Schwestern und Brüder,

in der Kirche gibt es viele verschiedene Ordens und christliche Gemeinschaften. Ihren Dienst, ihren Einsatz hat die Kirche im Laufe der Jahrhunderte immer und sehr geschätzt. 

Daher hat jeder Orden seine eigene Devise, sein eigenes Motto, seinen eigenen Wahlspruch, der den Charakter des Ordens, bzw. seine einzigartige Aufgabe in der Kirche erklärt.

Und zuerst gibt es die bekannten Benediktiner.
Ihre Devise ist: Ora et labora, d.h. übersetzt: Bete und arbeite.

Das Gebet und die Arbeit sind, wie der heilige Benedikt sagte, zwei Ruder. Dank denen fahren wir geradeaus. Es reicht, wenn einer von ihnen fehlt, dreht sich das Boot im Kreis. Daher ist nicht nur die Arbeit, sondern auch das Gebet in unserem Leben, für unsere richtige Entwicklung, sehr wichtig.

Dann gibt es die beliebten Franziskaner. Ihr Motto ist: Pax et Bonum, das bedeutet: Frieden und Wohlergehen. Wie der heilige Franziskus sagte: Nur der Frieden in dieser Welt und das Gute, das das Seelenheil ist, können den Menschen das wahre Glück bringen.

Wir haben auch die Augustiner. Ihre Devise klingt: Amor meus pondus meum, d.h.: Meine Liebe ist mein Gewicht. Also das, was jeder Mensch im Übermaß besitzen sollte, ist die Liebe. Deswegen hat der hl. Augustinus mal geraten: Liebe – und dann tue, was Du willst !

Und endlich gibt es uns Pauliner. Unser Wahlspruch lautet: Solus cum Deo solo, das bedeutet: Allein mit dem einen Gott.

Meine Lieben, wenn ich die Wahlsprüche den erwähnten Orden höre, klingt unser Motto ein bisschen egoistisch … Allein mit dem einen Gott. Ich allein … und wo ist der andere Mensch? -können Sie jetzt fragen. Wie kann man sich überhaupt in einem Kloster einsperren, wenn die Kirche Priester braucht? Jesus spricht doch selbst: Gehet hin und lehret alle Völker!

Der Evangelist Lukas gibt uns eine Antwort wenn er in seinem Evangelium schreibt: Dann rief Jesus die Zwölf zu sich und gab ihnen die Kraft und die Vollmacht, alle Dämonen auszutreiben und die Kranken gesund zu machen. Und er sandte sie aus mit dem Auftrag, das Reich Gottes zu verkünden und zu heilen.

Jesus, als Er seine Jünger gesandt hat, damit sie hingehen und alle Völker lehren … rief Er sie zuerst auf … bei ihm zu bleiben.

Aus diesem – allein mit dem einen Gott – bekommen sie die Kraft, neue Energie, ihre apostolische Aufgaben zu erfüllen.

Nach diesem Beispiel haben auch die Schwestern der Mutter Theresa von Kalkutta gelebt. Eines Morgens kamen Sie zu Mutter Teresa und sagten ihr, dass sie nicht mehr genug Kraft haben, die Kranken zu pflegen.

Ich muss hier zuerst sagen, dass diese Schwestern, bevor sie zur Arbeit, zu den Kranken, gehen, das Allerheiligste Sakrament eine Stunde lang anbeten. Mutter Teresa antwortete ihnen, dass sie dann ab heute zwei Stunden lang Jesus anbeten werden. Und sie haben das geschafft.

Meine Lieben !
Unser Wahlspruch lautet: Allein mit dem einen Gott.

das ist die tägliche hl. Eucharistie, 

das ist das tägliche Stundengebet,
das ist der tägliche Rosenkranz,
das ist die Klosterfamilie. Das ist die Quelle …

Wir möchten aus dieser Quelle, aus diesem Solus cum Deo solo, wie die Jünger aus dem Johannesevangelium oder die Schwestern aus Kalkutta, neue Kraft, schöpfen … um später in unseren Pfarreien zu arbeiten, oft bis in die späten Abendstunden, um unsere Aufgabe als Pauliner in der Kirche zu erfüllen. 

Meine Lieben, wir Pauliner sind Gott und den Menschen dankbar, dass wir in der Holledau seid mehr als 40 Jahren wohnen und arbeiten dürfen. Ich habe nur eine bitte an Sie, an die Freunde des Mainburgerklosters und der Bergkirche: Helfen Sie, meine lieben Schwestern und Brüder, durch Ihr Gebet, damit ein jeder von uns Pauliner seine Berufung treu erfüllt, damit Gott für uns alle immer auf der ersten Stelle bleibt, und wir die Menschen, zu denen uns Jesus gesandt hat, nicht vernachlässigen. Amen.

P. Jacek Chamernik OSPPE, Mainburg

 

Predigt II

Liebe Schwestern und Brüder,

mit dem heutigen Hochfest des hl. Paulus des ersten Einsiedlers haben wir sozusagen ein „Problem“. Wir könnten fragen: „Warum feiern dieses Hochfest?“ Wir feiern doch einen kaum bekannten Heiligen. Geschichtlich wissen wir nur wenig über Paulus von Theben. Er lebte im IV. Jahrhundert in Ägypten. Er war kein Europäer, hat kein Buch geschrieben.
Dem hl. Hieronymus verdanken wir die einzige schriftliche Überlieferung über diesen Einsiedler. Wir tun uns schwer, sein Leben zu verstehen. Vor allem aber war er ein Einsiedler.
Wie können wir eine Brücke schlagen zwischen seinem Leben in der fernen Vergangenheit und unserer modernen Gegenwart? Diese Fragen beschäftigen heute uns alle. Gott lässt uns dieses Hochfest erleben, damit wir die Antwort auf unsere Fragen suchen. Diese Frage sollten wir, die Pauliner, die Söhne des hl. Paulus des ersten Einsiedlers, uns immer wieder stellen. Wir sind die Erben seiner Spiritualität und dürfen uns dieser Problematik nicht entziehen. Darüber nachzudenken ist entscheidend wichtig.

Zunächst müssen wir uns fragen, wer denn eigentlich ein Einsiedler ist? Vielleicht haben wir schon darüber mal gelesen oder davon gehört. Wir stellen uns einen Einsiedler ungefähr so vor: ein Mann, der in der Wüste lebt. Er isst nur ganz wenig, schweigt sein ganzes Leben lang, begegnet niemandem. Kurz gesagt: ein richtiger Einzelgänger. In uns entsteht der Zweifel: Wollte Gott wirklich eine solche Lebensweise? Ist das tatsächlich eine Berufung? Uns ist schon klar, ein Einsiedler als Einzelgänger und Exot kommt in der Tat nicht in Frage. Ein Ordensleben in dieser Form ist weder möglich noch erwünscht.

Ein Einsiedler ist kein ichbezogener Außenseiter. Die heutige erste Lesung spricht deutlich davon. Gott hat Elija zum Propheten und Einsiedler berufen. Dies allein erklärt uns den Sinn des Einsiedlerlebens. Jeder Eisiedler ist wie ein Prophet. Wer ist aber ein Prophet? Vielleicht möchten wir darauf antworten: ein Mensch, der die Zukunft voraussagt. Zwar ist dies nicht falsch, aber die Berufung eines Propheten beinhaltet wesentlich mehr. Die erste Lesung hat uns die Aufgaben eines Propheten genau beschrieben. Ein Prophet spricht mit Gott, also er ist vor allem ein Mann des Gebetes. Das ist seine Hauptaufgabe. Nur so kann er anderen helfen, die seine Unterstützung brauchen, die bei ihm Gottes Licht für Ihr Leben suchen. Jetzt haben wir die kürzeste, aber die umfangreichste Darstellung des Einsiedlerlebens. 

Gott hat den hl. Paulus den ersten christlichen Einsiedler genau dazu berufen. Er war für Gott ganz da, insbesondere durch das Gebet. Damit hat er auch anderen helfen können, die zu ihm gekommen sind. Der hl. Paulus hat war sich über sein Leben im Klaren, über den wahren Sinn seines Lebens und über seine Hingabe an seinen und unseren Gott Jesus Christus. Er lehrt uns durch sein Vorbild, was das Ordensleben ist. Dieses Vorbild ist nicht nur für die Mönche bestimmt. Der hl. Paulus, der wahre Einsiedler und der wahre Prophet, sagt uns allen, allen Christen: ohne Gott, der den ersten Platz im Leben einnehmen muss, hat mein ganzes Leben eigentlich keinen Sinn. Jeder Prophet sagt uns dasselbe. Er richtet unseren Blick auf Gott, weil er selbst auf Gott hin gerichtet. 

Meine Lieben! Das heutige Hochfest, das wichtigste Fest für unseren Paulinerorden, ist auch eine Gelegenheit für uns Pauliner, die Gewissenerforschung zu machen. Bin ich wirklich als Paulinermönch dem hl. Paulus dem ersten Einsiedler gleich? Ich bin ein Paulinermönch und somit stehe ich in einer großartigen Tradition. Ich muss nicht nach Theben in Ägypten ziehen. Mein Theben ist in Mainburg. Gott hat mich hierher geführt. Hier, in meinem Kloster, darf ich vor allen anderen Aufgaben mit meinem Herrn und Meister während des Gebetes sprechen. So kann ich auch anderen am meisten helfen. 

Helfen Sie, meine lieben Brüder und Schwestern, durch Ihr Gebet, damit ein jeder von uns Pauliner seine Berufung treu erfüllt, damit Gott für uns alle immer auf der ersten Stelle bleibt. Amen.       

 

P. David Kolodziejczyk OSPPE, Passau

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