26.07. Annafest des Katholischen Frauenbundes Geisenfeld
Am Sonntag, den 26. Juli, durfte der Katholische Frauenbund Geisenfeld das Fest der heiligen Anna und des heiligen Joachim in besonderer Weise feiern. Zu diesem festlichen Gottesdienst war Pater Paul eingeladen, der die Feier als Festprediger mitgestaltete und die Heiligen Anna und Joachim in den Mittelpunkt seiner Betrachtung stellte.

In seiner Begrüßung dankte er dem Katholischen Frauenbund Geisenfeld herzlich für die Einladung und die Möglichkeit, gemeinsam dieses besondere Fest zu feiern. Die heiligen Anna und Joachim, die Eltern der Gottesmutter Maria und damit die Großeltern Jesu, erinnern uns daran, wie wertvoll Familie ist und wie wichtig die Weitergabe des Glaubens von Generation zu Generation bleibt.
Der Gottesdienst stand ganz im Zeichen der Großeltern und ihrer besonderen Bedeutung im Leben von Familien. In seiner Predigt zeigte Pater Paul auf, dass Glaube nicht nur durch Worte weitergegeben wird, sondern vor allem durch das gelebte Beispiel: durch Gebet, Vertrauen, Liebe und die kleinen Gesten des Alltags.
Besonders eindrucksvoll schilderte er ein Erlebnis aus seinem Alltag im Kloster in Mainburg: den Blick auf eine Mariengrotte, an der er immer wieder eine Großmutter mit ihrem Enkelkind beobachtet, die gemeinsam beten, das Kreuzzeichen machen und von Maria und Jesus erzählen. Dieses einfache Bild wurde zum Zeichen dafür, wie Glauben lebendig bleibt – von Herz zu Herz und von einer Generation zur nächsten.
Die heiligen Anna und Joachim wurden dabei als Vorbilder für alle Eltern und Großeltern dargestellt. Sie zeigen, dass Menschen auch dann Spuren hinterlassen, wenn sie nicht im Mittelpunkt stehen. Ihr größtes Geschenk an die nächste Generation war nicht Besitz oder Erfolg, sondern ein Herz, das Gott kennt und ihm vertraut.
Ein besonderer Dank galt allen Großmüttern und Großvätern, die durch ihr Gebet, ihre Liebe und ihre Lebenszeugnisse den Glauben in ihren Familien bewahren und weitergeben. Sie sind wichtige Wegbegleiter für Kinder und Enkelkinder und schenken ihnen Orientierung, Hoffnung und Vertrauen.
Im Anschluss an die Predigt wurden in den Fürbitten besonders die Familien, die Großeltern, die Kinder und Jugendlichen sowie alle Menschen, die unter Einsamkeit leiden, in das Gebet aufgenommen. Auch die verstorbenen Angehörigen, die den Glauben weitergegeben haben, wurden dankbar erinnert und Gottes Liebe anvertraut.
Der festliche Gottesdienst wurde zu einem schönen Zeichen der Gemeinschaft und der Verbundenheit. Das Annafest machte deutlich: Der Glaube lebt dort weiter, wo Menschen ihn mit Liebe vorleben und an die nächste Generation weitergeben.
Ein herzliches Vergelt’s Gott gilt dem Katholischen Frauenbund Geisenfeld für die Einladung, die Vorbereitung und die herzliche Gemeinschaft an diesem besonderen Festtag.

Predigt von Pater Paul.
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Festgemeinde,
zunächst möchte ich mich ganz herzlich bedanken, dass ich heute hier bei Ihnen sein darf und dieses schöne Fest mit Ihnen feiern kann. Es ist für mich eine besondere Freude, an diesem Ort zu stehen und gemeinsam mit Ihnen die heiligen Anna und Joachim zu ehren.
Ich sage ganz bewusst Anna und Joachim – auch wenn dieses Fest offiziell „Annafest“ heißt. Denn ich finde: Man darf die beiden einfach nicht auseinanderreißen. Anna ohne Joachim wäre ein bisschen so wie ein Paar beim Fest, bei dem einer schon am Tisch sitzt und der andere noch zu Hause die Schuhe sucht – irgendwie fehlt da etwas.
Die beiden gehören zusammen: als Eltern Marias, als Menschen des Glaubens und als Ehepaar, durch dessen Leben Gott seine Geschichte mit uns Menschen weitergeschrieben hat.
Wenn man in eine fremde Kirche kommt, dann begegnet man nicht nur einem neuen Raum, sondern vor allem Menschen mit ihrer eigenen Geschichte, ihrem eigenen Glauben und ihren eigenen Erinnerungen. Und gerade das heutige Fest ist ein Fest voller Erinnerungen. Es führt uns zurück zu den Wurzeln unserer eigenen Geschichte: zu einer Familie, zu Großeltern, zu Menschen, die den Glauben weitergetragen haben.
Heute feiern wir das Fest der heiligen Anna und des heiligen Joachim. Die Kirche kennt von ihnen nur wenige historische Einzelheiten. Und doch sind sie bis heute zwei der beliebtesten Heiligen. Warum? Weil sie uns an etwas erinnern, das jede Generation braucht: an die Kraft des Glaubens, der in einer Familie weitergegeben wird.
Die Lesungen, die wir heute gehört haben, sprechen genau davon.
Im Buch Jesus Sirach heißt es: „Ihr Name lebt für Generationen.“ Das ist ein wunderschöner Satz. Ein Mensch lebt nicht nur in alten Bildern weiter. Er lebt weiter in dem, was er anderen mitgegeben hat: in seinem Glauben, in seinen Werten, in seiner Liebe, in seinem Gebet. Das größte Erbe, das Eltern und Großeltern hinterlassen können, ist nicht ein Haus oder ein Sparbuch, sondern ein Herz, das Gott kennt.
Auch die Lesung aus dem Buch der Sprichwörter spricht von einer Frau, die den Herrn fürchtet. Nicht ihre Schönheit wird gelobt, sondern ihr Herz. Sie öffnet ihre Hände für die Armen, arbeitet mit Freude und lebt aus dem Vertrauen auf Gott. Die Kirche sieht in dieser Frau auch ein Bild der heiligen Anna, die ihre Tochter Maria nicht nur großgezogen, sondern sie auch auf Gott hingeführt hat.
Und im Evangelium sagt Jesus: „Selig eure Augen, weil sie sehen, und eure Ohren, weil sie hören.“ Wie schön wäre es, wenn auch unsere Enkel einmal sagen könnten: „Von meiner Oma und meinem Opa habe ich gelernt, wie man betet. Von ihnen habe ich erfahren, dass Gott mich liebt.“
Liebe Schwestern und Brüder,
als ich über dieses Fest nachgedacht habe, musste ich an einen Ort denken, der mich jeden Tag begleitet.
Ich wohne im Kloster in Mainburg. Das Fenster meines Zimmers geht zur Mariengrotte hinaus. Vor der Grotte steht eine kleine Bank. Besonders in den Sommermonaten sehe ich dort immer wieder ein Bild, das mich tief berührt.
Da kommt eine Oma mit ihrem Enkelkind. Sie setzen sich auf die Bank. Die Oma zeigt auf die Muttergottes. Manchmal nimmt sie ganz behutsam die kleine Hand des Kindes und macht mit ihr das Kreuzzeichen. Dann erzählt sie von Maria, von Jesus oder spricht ein einfaches Gebet.
Es ist nichts Großes. Keine Predigt. Kein Religionsunterricht. Nur wenige Minuten. Und doch denke ich mir jedes Mal: Genau hier geschieht Glaubensweitergabe.
Dieses Bild geht mir nicht aus dem Herzen. Denn dort sehe ich, was die heilige Anna und der heilige Joachim wohl für Maria gewesen sind. Sie haben ihr nicht nur das Leben geschenkt. Sie haben ihr Gott gezeigt. Sie haben ihr beigebracht zu beten. Sie haben ihr erzählt, wie treu Gott sein Volk begleitet. Sie haben den Boden bereitet, auf dem Maria später ihr großes Ja zu Gott sprechen konnte.
Wie oft unterschätzen wir die Bedeutung der Großeltern!
Natürlich tragen die Eltern die erste Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder. Daran gibt es keinen Zweifel. Aber Großeltern haben eine ganz besondere Aufgabe. Sie haben oft etwas, das im Alltag junger Familien knapp geworden ist: Zeit.
Zeit zum Zuhören.
Zeit für Geschichten.
Zeit für ein gemeinsames Gebet.
Zeit für einen Spaziergang.
Zeit, einfach da zu sein.
Und manchmal hören Enkelkinder auf die Oma oder den Opa sogar aufmerksamer als auf ihre Eltern.
Viele Erwachsene erzählen später: „Meine Oma hat mit mir den Rosenkranz gebetet.“ Oder: „Mein Opa hat mich sonntags mit in die Kirche genommen.“ Und auch ich gehöre untrennbar zu dieser Gruppe dazu. Obwohl meine Eltern gläubig waren, habe ich von meinen Omas und Opas gelernt, zu beten und Gott zu lieben. Solche Erinnerungen tragen ein Leben lang.
Liebe Omas und Opas, unterschätzen Sie niemals Ihren Einfluss!
Vielleicht denken manche: „Ich bin schon alt. Ich kann nicht mehr viel tun.“
Doch.
Sie können etwas, was vielleicht niemand sonst in dieser Weise tun kann.
Sie können Ihren Glauben bezeugen. Sie können erzählen, wie Gott Sie durch Höhen und Tiefen getragen hat. Sie können Ihren Enkeln zeigen, dass Beten etwas Selbstverständliches ist. Sie können ihnen das Kreuzzeichen beibringen. Sie können ihnen den Namen Jesu lieb machen. Sie können mit ihnen eine Kerze anzünden.
Und wenn die Enkel größer werden und vielleicht ihren eigenen Weg gehen, wenn sie kaum noch Zeit haben oder sich vom Glauben entfernen, dann hört Ihre Aufgabe nicht auf.
Dann beginnt vielleicht sogar die wichtigste Aufgabe.
Dann werden Sie zu Beterinnen und Betern.
Wie viele Großmütter und Großväter tragen ihre Enkel jeden Tag im Herzen zu Gott! Vielleicht sagen sie gar nichts mehr. Aber sie falten die Hände. Sie beten den Rosenkranz. Sie nennen jeden Enkel beim Namen. Sie vertrauen ihn der Gottesmutter an.
Kein Gebet ist verloren.
Manchmal dauert es viele Jahre, bis eine Saat aufgeht. Aber Gott vergisst kein einziges Gebet einer Oma und keines eines Opas.
Vielleicht werden wir die Früchte unserer Gebete gar nicht mehr erleben. Aber Gott sieht weiter als wir.
Gerade deshalb passt das Wort aus dem Buch Jesus Sirach heute so wunderbar: „Ihr Name lebt für Generationen.“
Es geht nicht um Berühmtheit. Es geht darum, Spuren des Glaubens zu hinterlassen. Nicht jeder wird in Geschichtsbüchern stehen. Aber viele stehen für immer im Herzen ihrer Kinder und Enkel. Und manche werden einmal im Himmel erfahren, wie viel Gutes sie mit einem einfachen Gebet bewirkt haben.
Liebe Schwestern und Brüder,
unsere Welt braucht Menschen mit Lebenserfahrung.
Sie braucht Großeltern, die Hoffnung ausstrahlen.
Die nicht ständig über früher klagen, sondern von Gottes Treue erzählen.
Die nicht Angst weitergeben, sondern Vertrauen.
Die nicht Bitterkeit säen, sondern Segen.
Die heilige Anna und der heilige Joachim erinnern uns daran, dass der Glaube immer von Mensch zu Mensch weitergegeben wird – von Herz zu Herz, von Generation zu Generation.
Bitten wir sie heute, dass sie alle Großmütter und Großväter stärken.
Schenken sie ihnen Gesundheit, Geduld und Freude.
Schenken sie ihnen den Mut, ihren Glauben nicht für sich zu behalten.
Und schenken sie allen Enkeln das Glück, eine Oma oder einen Opa zu haben, die ihnen den Weg zu Gott zeigen.
Dann wird auch in unserer Zeit wahr, was wir heute gehört haben:
„Von ihrer Weisheit werden Völker erzählen und ihr Lob verkündet die Versammlung.“
Amen.
Fotos: Marianne Heimbucher

