Das Frauentragen
Ein heiliger Weg durch den Advent
Das Frauentragen

Liebe Schwestern und Brüder, in der stillen und zugleich erwartungsvollen Zeit des Advents trägt ein ganz besonderer Brauch unser Warten, unser Hoffen und unser Beten: das Frauentragen. Tief verwurzelt in der christlichen Tradition Bayerns führt es uns Jahr für Jahr neu hinein in das Geheimnis von Weihnachten. Eine schlichte Figur der schwangeren Maria wandert von Haus zu Haus. Für eine Nacht, manchmal für mehrere Tage, wird sie aufgenommen. In den Wohnungen wird gebetet, gesungen, geschwiegen. Kerzen brennen. Und mitten im Alltag geschieht etwas Heiliges: Maria erhält Herberge und mit ihr Christus selbst. Was hier äußerlich so einfach erscheint, hat eine tiefe geistliche Bedeutung. Maria, die das göttliche Kind unter ihrem Herzen trägt, ist auf dem Weg so wie sie einst auf dem Weg nach Bethlehem war. Und wie damals stellt sich auch heute die Frage: Ist Platz für Gott? Ist Platz in unserem Leben? Das Frauentragen gibt darauf eine leise, aber kraftvolle Antwort: Ja bei uns ist Platz. In unserem Haus. In unserem Herzen.
Ein Satz aus dem Lukasevangelium berührt im Licht dieses Brauchs besonders tief:
„Und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, denn in der Herberge war kein Platz für sie.“ (Lk 2,7)
Wie anders ist unsere Antwort heute: Heute ist Platz. Heute darf Maria eintreten. Heute darf Christus ankommen. Der Advent ist oft laut, schnell, voll. Gerade deshalb ist das Frauentragen ein kostbarer Gegenpol. Es lädt uns ein: innezuhalten, den Blick neu auf Gott zu richten, und das Warten wieder zu lernen. Denn der Advent ist nicht nur eine Zeit der Vorbereitung im Äußeren er ist eine Schule des Wartens.
Lebendige Tradition in unserer Pfarrei
Mit großer Freude dürfen wir sagen: Auch in unserer Pfarrei lebt dieser Brauch bis heute weiter. In Tegernbach (in der Kirche) und in Rudelzhausen (im Pfarrbüro) liegen Listen aus, in die sich alle eintragen können, die Maria für eine Zeit bei sich aufnehmen möchten. So wird aus einer jahrhundertealten Tradition ein heute gelebter Glaube. Das Frauentragen ist kein großes Spektakel. Es braucht keine Bühne und keinen Applaus. Es braucht nur: ein offenes Haus, ein offenes Herz, und ein wenig Zeit für Gott. So gehen wir Schritt für Schritt auf Weihnachten zu – nicht hastig, sondern betend, erwartend, hoffend. Maria geht diesen Weg mit uns. Und mit ihr kommt der, auf den wir warten: Jesus Christus, unser Erlöser.


