Filialkirche „St. Stephanus“ Enzelhausen (Schimmelkapelle)

Die Kapelle St. Stephan ist malerisch gelegen im Ortsteil Enzelhausen, auf einem kleinen Hügel mit Blick über das Abenstal. Bekannt ist sie aber weithin vor allem wegen ihrer sagenhaften Geschichte – und ihrem nachhaltigen Einfluss auf die Gemeinde.

Die Sage der Schimmelkapelle

Ein Schimmel soll angeblich in ihrem Inneren verhungert und noch gelegentlich zu hören sein. Wie das Tier dort hingekommen sein könnte, darüber gibt es verschiedene Geschichten.

Eine Sage behauptet, Viehdiebe hätten das Pferd dort versteckt. Weil sie gefasst wurden, verblieb der Schimmel in der Kapelle und verhungerte. Eine andere Variante berichtet, dass ein hungriger Schimmel der Grasspur folgte, den die Fronleichnamsprozession hinterlassen hatte – so geriet es in die offene Kirche. Als der Messner die Kirche abschloss, bemerkte er das Tier nicht. Da St. Stephan eine Filialkirche ist, fanden dort nur selten Gottesdienste statt – vor Beginn des folgenden wurde das verendet Pferd vor dem Altar entdeckt.

Ob in der Enzelhausener Kapelle wirklich ein Schimmel sein Ende fand, weiß heute niemand mehr. Es wird vermutet, dass der Name noch weiter zurückreicht, und auf eine ursprünglichere Nutzung hinweist.

Alte Kulturspuren

Tatsächlich war der Ort, an dem heute St. Stephan steht, schon den alten Germanen heilig. Unter anderem feierte man hier das Julfest zu Ehren des Gottes Fro, auch bekannt als der Schimmelgott. Vermutlich war auch der alte Kultstein, den man 1976 bei Renovierungsarbeiten fand, Teil der Feierlichkeiten.

Der Kultstein – der heute Teil des Altars ist – deutet daraufhin, dass dieser heilige Ort mindestens bereits seit dem 8. Jahrhundert besteht. In dieser Zeit wurde auch von christlichen Missionaren das heidnische Fest in ein für den heiligen Stephan stattfindendes Fest umgedeutet. Es findet bis zum heutigen Tage am 26. Dezember statt und ist der Grund, warum die Kapelle St. Stephan heißt.

Vermutlich verbirgt sich hinter der Geschichte mit dem verhungerten Schimmel eine spöttische Anspielung auf den Schimmelgott Fro, dem seine Verehrung abhanden gekommen war.

Opferbereitschaft der Gemeinde

Namentlich erwähnt wurde die Schimmelkapelle erstmals 1590. Auch 1824 machte sie von sich reden – damals wollte der Pfarrer namens Klonner die Kirche wegen Mittellosigkeit abtragen lassen. Dagegen regte sich heftiger Widerstand der Dorfbewohner. Durch ihre Opferbereitschaft und zahlreiche Spenden erhielten sie ihre Schimmelkapelle.

Wie wichtig den Rudelzhausener „ihre“ Kapelle ist, sieht man auch daran, dass der Schimmel seinen Weg ins Gemeindewappen gefunden hat. Dort erinnert er immer an die malerische Filialkirche und ihre bewegte Geschichte.